Samstag, 14. Januar 2006

ich weiss nicht wann, lange her, du bringst mich durcheinander.

niels frevert.


die beziehung zwischen mir und niels frevert, sie ist das, was man als troubled bezeichnen könnte. oder, noch besser, als so ein königskinder ding, sie konnten zueinander nicht kommen und so.
beides quatsch, eigentlich, denn ich kenne niels frevert nicht, und niels frevert kennt mich nicht. ändert aber nichts an der tatsache, dass er mein herzallerliebster indiepopmusikmachender mensch ist, seit, uh, zwölf jahren schon, und seine musik immer dabei war und immer dabei ist, fast mein halbes leben, und dass ich es trotzdem seit elf jahren nicht schaffe, for the life of me, ihn mal wieder live zu sehen. elf jahre jemanden immer mal wieder verpassen, manchmal um eine stunde nur: das muss man erst mal schaffen.
das erste lied das ich von niels' band nationalgalerie gehört habe, muss 'evelin' gewesen sein, damals, anfang der neunziger, als es eins der wenigen deutschsprachigen videos auf mtv war. schade, eigentlich, denn das war schon einer der schwächeren nationalgaleriesongs. irgendwer im freundeskreis hatte das 'indiana' album, ich überspielte es mir auf ein tape, und das lief dann, und zwar dauernd. über monate. irgendwann um die zeit rum, anfang 1994 oder so, da haben nationalgalerie im 'stone' gespielt, dem siffigen kleinen kifferclub drei dörfer weiter. ich war nicht da, weiss nicht mehr warum, aber ich weiss noch, dass die erste liebe danach mit einem hausgemachten kleinen nationalgalerie t-shirt rumlief, mit ziege drauf. überhaupt hat nationalgalerie viel mit ihm zu tun, mit der ersten liebe. der soundtrack des sommers war das, das 'indiana' album, von tieftraurig bis überglücklich ist es nur ein kleines stück, und irgendwann kommt himmelhochjauchzendzutodebetrübt, und so war es, davon gab es viel, alles, dauernd, immer, in dem sommer. sechzehn sein, und so, erste liebe, total krank und gestört und kaputt, natürlich, und die grundsteinlegung für meine vorliebe für schmuddelige jungs mit versifften haaren und musikinstrumenten, die nicht so wirklich in touch sind mit ihren gefühlen und überhaupt nicht emotionally available. whimpster halt, eine dekade vor dem trend, early adopter-tum galore, yeah. ist das da bombenticken neben mir? ist das die ruhe vor dem sturm? das war sie, in vieler hinsicht. ich schlafe morgens angetrunken ein, um möglichst lang im nirgendwo zu sein. ja, so war das auch, in dem sommer, und so ist es doch heute noch, immer mal wieder. an einem abend im spätsommer 1994, ach was, der sommer war vorbei, nicht meterologisch, aber emotional, da lief nationalgalerie's 'die waffe', und das war ein defining moment meines teenagerseins, wenige tage nachdem stefan gestorben war. ich hab das lied danach erst wieder gehört, als mir phil, der mann hinter der besten fansite ever, tuetensuppe24.de, es mir schickte, ende 2002 war das. 1995 kam meskalin raus, wunderbares album, ich weiss noch genau, dass ich es gehört hab auf der zugfahrt nach hamburg, mit mary, noch so ein lebensverändernder tag, der anfang von so vielem. in dem jahr spielten nationalgalerie auf dem ringfest, damals war die popkomm noch in köln, und industry only, und meine freundin filiz und ich haben uns trotzdem reingeschmuggelt und wurden nach einer halben stunde erwischt und rausgeworfen. schön war das, und das nationalgalerie konzert, eben auf dem ring in köln, bisschen später, auch. kurz danach lösten sie sich auf, die herren, und ich mein, dass man das irgendwie schon merken konnte, damals, oder vielleicht bildet man sich das auch ein, so im rückblick. 1997 kam dann niels' soloalbum, passend für den sommer, den ersten sommer so richtig ohne die erste liebe, wie seltsam, und danach kam auf jedes mixtape der späten neunziger entweder 'polyacryl' oder 'du löscht das feuer mit benzin', oder gleich beides. im sommer 2000, ein paar tage bevor ich das erste mal nach australien geflogen bin, da stand ich, von hunderten teenies umgeben, vor einer bühne auf der 'echt' spielten, und kim frank 'jetzt kommt ein lied von einem sänger den wir verehren, ihr werdet den nicht kennen' sagte, und dann spielten sie 'du musst zuhause sein'. schön war das, vollkommen seligmachen und unverhofft und ich war glücklich, total glücklich. wenigstens remote eine kleine dosis niels.
in den frühen zweitausendern, da spielte herr frevert zwar immer wieder mal livekonzerte, meist aber im norden, irgendwann in 2002 auch mal mit der ersten liebe, wie unglaublich. zu der zeit war ich eher sehr selten im norden, überhaupt war ich ja eh nicht so oft in der nördlichen hemisphähre, damals. viel verpasst. in jeder hinsicht.
aber warten lohnt, und so, am 23.juni(!) 2003 spielte niels frevert bei radio bremen ein akustikkonzert ein, mit neuem und altem und coverversionen, und auch wenn ich da auch nicht war, warum genau, weiss ich gar nicht mehr, so ist dieses konzert konserviert in einer akustikversion von 'wann kommst du vorbei?'. erstes lied vom nächsten album und so, und als ich das kurz nach dem konzert das erste mal gehört hab, dank phil, natürlich, da hab ich, caro-standardreaktion, ichsagsdochimmer, elendig geflennt. weils so schön war und so wunderbar, und vor allem, weil ich das gefühl einfach nicht mehr kannte. wann kommst du vorbei, lehnst dich an mich, du hast mein herz so unaufgeräumt, komm einfach rein, störst überhaupt nicht, ich hab sowieso gerad' davon geträumt, dass du vorbei kommst ist meine hoffnung, mitten in der dunkelsten nacht, komm einfach rein, die tür ist offen weiss immer noch nicht, ob ich das gefühl eigentlich wieder kenne, aber ich weiss, dass das ein paar der grossartigsten deutschen lyrics, sind, und zwar ever. niemand kann unpeinlicher und ehrlicher und poetischer auf deutsch texten als niels frevert, niemand. herr frevert macht das immer mit dieser perfekten mischung von kryptik und genauigkeit und herz. immer wenn es hell wird denke ich an dich, wie ein vogel über den baum singt so innig. und ende 2003 dann 'seltsam öffen mich', niels frevert's zweites solo-album, seit jahren erwartet von den vielleicht hundert leuten auf der mailingliste, und das war wie ein treffen mit einem dieser freunde die man seit jahrzehnten hat, und die man nur selten sieht, aber mit denen sich nie was ändert, mit denen man immer 'on' ist, und zwar sofort und für immer. niels musik erinnert mich an nils, obwohl wir das nie gehört haben zusammen, obwohl nils für mich nie so ein freund geworden ist. das war wie nachhausekommen, das 'seltsam öffen mich' album, und herzzerreissend sowieso und wunderbar und alles warten hatte sich gelohnt, natürlich. du machst meine träume kung fu. und so. aber live hab ich niels nicht gesehen, im rest von 2003 nicht, und 2004 auch nicht.
2005, im januar, am 14.januar, heute vor einem jahr, da hätte es fast geklappt. niels spielte im kornhauskeller in waldshut-tiengen, am ende der welt, aber nicht so weit weg von hier, im übrigen. regionalbahnentfernung. d. und ich fuhren da hin, mit der bahn, und hatten den tollen plan, mit der letzten bahn nach hause zu fahren. ich hatte mir das alles so richtig schön überlegt. ausser niels nur eine band, die fangen alle schön früh an, niels ist sicher der opener, klappt doch alles, locker. das wird toll. hätte auch alles locker geklappt und wär alles toll gewesen, wenn die letzte bahn nicht um kurz nach elf aus waldshut tiengen weg wäre, - und niels nicht erst lang nach mitternacht aufgetreten wäre. d. und ich fuhren unverrichteter dinge wieder nach hause, absolut unvorstellbar. das war ein fuckiger abend, ein ganz schlimm fuckiger abend, an dem mir nebenbei auch noch klar wurde, dass das mit d. nicht weitergehen könnte und würde. ich wollte da bleiben, hatte schon de facto eine couch zum übernachten organisiert, aber d. wollte nicht bleiben, und wollte mich auch nicht da lassen. es das einzige mal, dass er den bossy boyfriend hat raushängen lassen, und es das einzige mal, dass ich jemanden den bossy boyfriend hab raushängen lassen lassen, und mich nicht durchgesetzt habe. d. mochte niels frevert eh nicht, nach hause zu fahren war sicher die richtige entscheidung, er hätte sich sonst eh den rest des abends, den rest der nacht, den rest des wochenendes beschwert. so war es nur the lamest night of the year, und in der regionalbahn richtung basel bad hab ich geflennt, vor sehnsucht nach niels und wegen dieses bösen, nagenden knappverpasst gefühls in meiner magengegend.
im mai dann, da war niels in kölns schlimmster tourikneipe dabei, zumindest virtuell, als ich zum ersten mal festgestellt hab, dass es doch noch eine andere person gibt, die ihn verehrt, so ein bisschen zumindest, und wir haben dann erstmal ein bisschen musik gehört beim kölsch trinken. nachdem wir ein bisschen erdmöbel gehört hatten. sehr schön war das. verabredet wurde an diesem abend, dass man im sommer auf ein open air fahren würde, auf dem niels auftreten würde, aber das klappte nicht, weil man gemeinschaftlich was anderes machte an eben diesem wochenende. machte aber nichts, man wollte gemeinsam ende august zu einem auftritt von niels in köln gehen, aber auch daraus wurde nichts, denn man war zwar in köln an dem abend, aber nicht bei niels, sondern bei den monsters of spex. war ja sehr wunderschön, so, bei den monsters of spex. schade trotzdem um niels.
ich versuch also seit mehr als 11 jahren, niels frevert noch mal live zu sehen. vielleicht sollte das so sein, das mit dem nichtklappen und dem verpassen all die jahre, vielleicht sollte ich niels eben nicht in waldshut sehen, mit einem desinteressierten d. dabei, oder in köln, was sicher wahnsinnig emo geworden wäre, so wie ich letzten sommer drauf war, vielleicht soll das ein bisschen so sein wie damals mit something for kate, die ich jahrelang in australien immer verpasst hab, und dann im unwahrscheinlichsten ort, ever, gesehen hab, im substage in karlsruhe, wo es besser war, als es je in australien hätte sein können.
und überhaupt: die chancen stehen gut, dass das mit mir und niels frevert besser wird, mit unserem königskinderding.
in zwei wochen, da tritt er ausgerechnet mit den wunderbaren herren erdmöbel in der volksbühne in berlin auf. und ich steh da auf der gästeliste. und obwohl ich schon jetzt rückenschmerzen beim gedanken an die sauigen sitzen in der volksbühne hab, da freu ich mich, und zwar wie wild. denn er wird rocken, der herr frevert, und ich werd flennen, und zwar elendig, und ich werd viel zu aufgeregt sein, und am ende werd ich zwar rückenschmerzen haben, aber alles wird gut sein. alles. denn: gut ding will weile haben. und elf jahre vorbereitung und warten sollten ja echt ausreichen.